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Du hast das Recht, Bilder von dir zu zerstören

Du hast das Recht,
Bilder von dir zu zerstören

mit denen andere dich festhalten und versuchen,
dir keine Entwicklung zu erlauben.
Die Zerstörung der Bilder
muss nicht mit großem Aufwand geschehen.
Allein dadurch, dass du dir treu bist,
werden die Bilder langsam zerfallen.
Du bist mehr als alle Bilder,
die man von dir hat.

Du hast das Recht, verwegen zu sein,
dich loszulösen von den Regeln,
die dich einem System gefügig machen sollen.
Du willst Freiheit und Liebe,
die Leben fördert und erhält.
Dafür hast du dich entschieden,
um so die tiefsten Ordnungen zu entdecken
und die Gesetzmäßigkeiten zu erfüllen,
die das Universum erhalten.

Begreife dich in dem Fluss der Dinge,
entdecke dein Werden,
spüre die Schönheit deiner Veränderungen
und achte auf die Erneuerung,
die dein ganzes Wesen betrifft.
Immer, wenn du festgelegt wirst,
bist du schon eine andere,
schon wieder ein anderer.

Ulrich Schaffer

art unbekannt

Quelle: Du hast das Recht

Die Wunde

Die Wunde
Unsere Sehnsucht ist eine heilige Wunde,
geschlagen vom hartweichen Leben,
das uns heimsucht in ein Reich aus Licht.
Sie weist uns den Weg der Verwandlung.
Manchmal blutet und schmerzt sie,
aber sie lässt uns den roten Faden finden,
an dem wir uns hineinziehen
in ein Leben jenseits unseres Wissens.
An unserer Wunde bleiben wir offen
für die Wunden der Welt.
Mit ihr heilen wir und werden verwundete Heiler.
Sie ist keine Strafe sondern ein Vorrecht.
In der Wunde liegt unsere Stärke,
die wir nie in der Heilheit hatten.
Heilig ist die Wunde, an der wir weise werden.
An jedem Tag, an dem wir in ihr leiden,
leben wir leuchtender.

ulrich schaffer

art unbekannt

Quelle: Die Wunde

Ich bin viel mehr

Ich bin viel mehr
Bin ich mein Körper, dieser treue Partner,
der mich durch die Welt getragen hat,
der fähig ist, im Stoffwechsel
seiner hundert Billionen Zellen
Wunder um Wunder zu vollbringen?
Mit ihm gehe und sehe ich,
mit ihm niste ich mich in der Welt ein,
mit ihm fliehe ich vor dem Druck.
Mit ihm bin ich glücklich, und unter ihm leide ich.
Oder bin ich mein Geist, meine Seele,
diese Empfindsamkeit und Wahrnehmung,
die aus einer anderen Welt zu kommen scheinen?
Bin ich meine gesammelte Sehnsucht,
die sich einen Gott denkt und ihn dann sucht und findet?
Ich liebe die Form in mir, die darauf wartet,
mit Zeitlosigkeit gefüllt zu werden.
In einer geheimnisvollen Ausgewogenheit
und einer genialen Spannung bin ich beides.
So durchbreche ich die Begrenzungen, um das zu werden,
was ich noch nicht einmal denken kann.
Ich bin viel – viel mehr als ich bin.

ulrich schaffer

art unbekannt

Quelle: Ich bin viel mehr

Wach werden

Wach werden
Vielleicht ist alles nur
eine Frage des Erwachens.
Wir haben uns mit dem Schlaf abgefunden.
Kafka hat uns schon vor hundert Jahren gesagt,
dass wir nicht Bösewichte, sondern Schlafwandler seien.
Die Musik der Harmlosigkeit hat uns eingeschläfert.
Wir haben viele Schlaftabletten genommen,
von der entmündigenden Religion bis zur nicht integrierten Politik,
vom schlauen Gerede bis zum dummen Getue.
Mit geschlossenen Augen schleichen wir am Abgrund entlang
und wollen die wahre Stimme unseres Herzens nicht hören.
Auf dem Rücken unseres Schlafes
tummelt sich das Unheil der Welt.
An unserem Schnarchen stirbt die Hälfte der Menschen.
Neues zu wagen heißt,
aus dem schrecklichen Schlaf zu erwachen.
Wir brauchen den heilsamen Schreck,
der uns die Augen öffnet,
und sie uns nicht mehr schließen lässt.
Ganz gleich wie wir uns absichern,
herzhaftes, erfülltes Leben bleibt immer ein Wagnis.

ulrich schaffer

art unbekannt

Quelle: Wach werden

Das Werk deines eigenen Lebens lieben

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Das Werk deines eigenen Lebens lieben
Es ist nicht zu spät, das eigene Leben zu lieben
und es als mehr als nur eine Reihe
von Erfolgen und Misserfolgen zu sehen.
Du hast es gestaltet, hast ihm eine Form gegeben,
es ist das Kunstwerk deines Wesens,
dein umfassendster Beitrag zu dieser Welt.
Und da, wo dein Leben dir nicht gefällt
kannst du es auch jetzt noch verändern.
Du hast jetzt das Handwerkszeug,
um die Veränderung zu schaffen.
Du hast den Vorteil der Erfahrung,
du bist jetzt unbelasteter und damit auf neue Weise frei,
bessere Entscheidungen zu treffen.
Noch nie war die Zeit so richtig,
dich zu lieben und dich selbst besser zu verstehen.
Dafür ist es nie zu spät.
Nimm dir Zeit,
die Sekunden der Einsicht sind kostbar,
die Stunden der Selbsterfahrung halten Schlüssel zu dir,
die Monate, die du auf neuen Wegen gehen wirst,
werden dir eine neue Fülle geben.
Beschenke dich mit dir selbst.

ulrich schaffer

Zuwendung

Zuwendung

Noch einmal neu liebe ich mich,
gerade mit meiner Unvollkommenheit.
Ich vergebe mir meine Dummheit,
ich verstehe meine Kleinlichkeit,
ich bejahe meine Grenzen
und verwandele alles in mein Profil.
Das bin ich.
Ich gebe alle Vergleiche auf.
Ich bin einmalig und unvergleichbar.
Mit einem Sprung meiner Gedanken glaube ich,
dass ich so war, wie ich sein konnte.
Ich hole mich heim aus der Verlorenheit,
ich belächele meine Verirrungen aus Liebe,
meine unfertigen Ansichten,
mit denen ich mir eine Gestalt geben wollte.
Ich halte mir nichts vor und spreche mich frei.
Ich nehme mich an die Hand und schaue mir in die Augen.
Es war so, wie es nur sein konnte.
Nichts anderes war möglich.
Und wieder ergießt sich der Segen des Lebens über mich.
Möglich war, was möglich war,
was war.

ulrich schaffer

art unbekannt

Quelle: Zuwendung

Von deiner Schönheit

Von deiner Schönheit

Du bist gegangen, bis du nicht mehr gehen konntest.
Zu schwer war die Last, zu weit der Weg.
Du hast dich umgesehen und die anderen entdeckt,
die so gebeugt gingen wie du.
In euren Nacken saß die Enge, die Mühe,
die Unsicherheit mit ihren vielen Schwestern.

Der Blick auf die Erde vor dir
war der Blick in die Behinderung,
aber du hast ihn weiter an die Erde geheftet,
auch wenn er dir nur die Sicherheit des Leids gab.
Es fiel dir schwer, an dich zu glauben,
und noch schwerer, in allem den Sinn zu sehen.
Der Sinn war in der Erde versunken,
war untergegangen in deinen ungeweinten Tränen.

Du gingst über das Grab deiner Wünsche,
unter dir der kalte Stein,
der sich über deinen Träumen schloss.
Du hattest nur noch die Zukunft der Trauer,
die Sicherheit des Verlusts.
Türen schlossen sich, Fenster wurden blind,
Menschen kehrten sich ab,
Gedanken des Glücks flohen vor dir.

Du gingst noch gebeugter, verzweifelter,
mit der Verzweiflung der Sprachlosen.
… bis jemand dich aufrief, aufrecht zu gehen.
Dieser Ruf traf dich. Erst war es wie ein Hohn,
und du wolltest nicht aufgeben,
was dir so sicher vor Füßen lag,
auch wenn es nur die Ausweglosigkeit war.

Aber wie von geheimnisvoller Hand geführt,
gelang es dir, aufzuschauen: Sonne fiel auf dein Gesicht.
Dann ging ein Ruck dein Rückgrat empor,
du spürtest die Schmerzen, die vom Aufrichten kamen,
von dieser ungewohnten Haltung,
von dem neuen Feuer in dem alten, gebeugten Körper.
Aber bald wusstest du: Dies war Leben!

Jetzt erkennst du dich.
Du erhörst dich.
Du erfühlst, wer du bist.
Du beginnst zu grünen und zu blühen.
Deine Träume haben schon lange
auf diesen Augenblick gewartet.
Deine eingeborene Weisheit stellt sich wieder ein,
in deiner neuen Würde siehst du über den Horizont hinaus.

Jetzt gehst du deinem Mut nach,
der dich in die Besinnung führt.
Du verlässt das Selbstmitleid,
du entkommst der sinnlosen Beugung,
du verlierst deine Scheu vor den Herausforderungen.
Reife breitet sich in dir aus,
dein ganzes Wesen richtet sich auf
und mit dem Aufrichten wirst du schön,
wie du dich nie sahst.

In deiner Einmaligkeit wirst du anziehend,
in deiner Schöpferkraft wirst du glücklich.
Noch nie hast du so geleuchtet,
noch nie so deutlich gewählt, wie du leben willst.
Ein unaufhaltsamer Fluss Leben
durchzieht dich von Fuß bis Kopf.

Ulrich Schaffer

art unbekannt

Quelle: Von deiner Schönheit

An mich glauben

An mich glauben

An mich zu glauben, wenn ich versage,
wenn ich daneben treffe
und von meinem Schatten überholt werde,
wenn plötzlich die Angst in mir alles rot färbt
und ich erbärmlich werde,
dann an mich zu glauben…
wenn die anderen den Glauben an den Menschen verlieren
und damit auch an mich,
wenn sie die Verstörungen aufzählen,
wenn das Misstrauen wächst wie Unkraut
und der Zweifel mit seiner Sense
um sich schlägt, wild und scharf…
dann führen all Wege von mir weg,
dann zerwerfe ich mich in den Spiegeln,
dann habe ich Sehnsucht nach Gott
und finde ihn zu meiner Überraschung
in meinen Fehlern als Zuwendung und Nähe.
Dann bin ich wieder da, wo ich begonnen habe,
bin wieder bei mir,
weil Gott menschlicher mit mir ist,
als ich es bin.

ulrich schaffer

art unbekannt

Quelle: An mich glauben