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Dualseelenliebe …. nüchtern betrachtet

Dualseelenliebe …. nüchtern betrachtet.

Das scheint erst mal ein Widerspruch in sich.
Nichts ist so bombastisch,
magisch,
unfassbar,
Grenzen sprengend
und beseelend
wie die Begegnung mit einem Menschen,
der das perfekte Gegenstück zu sein scheint.

Es gibt eine Verbundenheit,
die nicht erklärbar ist.
Zufälle, die magisch sind.
Ein Spüren des anderen, auch wenn er nicht da ist.
Nichts lässt uns so ganz und so grenzenlos fühlen,
wie die Vereinigung mit der Dualseele.

Dass es die Erfahrung gibt, weiß ich.
Ich kenne das.

Ob es etwas mit der Seele,
oder mit dem Wiederfinden eines verloren gegangenen
Seelenanteils zu tun hat,
kann ich weder ausschließen,
noch beweisen.
Es bleibt eine Frage des Glaubens.

Es ist nur nicht so wichtig,
was es denn nun ist.

Viel wichtiger ist,
wie wir damit umgehen können.

Dualseelen-Beziehungen folgen oft (aber nicht immer) einem sehr ähnlichen Muster.

Es gibt am Beginn eine Phase, die jeden Hollywood Blockbuster in den Schatten stellt.
Ein nach Hause kommen, das den totalen Frieden beschert.
Eine Verbundenheit die unzerstörbar scheint.
Und eine Kraft die etwas aus beiden hervor bringt,
das jenseits allen Vorstellbaren liegt.

Irgendwann kommt es zu einem Bruch.
Völlig ohne Vorwarnung.
Ohne ersichtlichen Grund.
Wie ein Tropfen Schwarz, der auf ein blütenweißes Blatt Papier fällt.
Doch der ist schnell vergessen und die berauschende Tiefe ist wieder da.

Doch es werden immer mehr Tropfen.
Und die Abstände werden immer kürzer.
Egal was wir versuchen, es lässt sich nicht aufhalten.
Am Ende stehen wir vor den Scherben
und finden keine Erklärung.

Die einstige Verbundenheit ist einer unüberbrückbar scheinenden Distanz gewichen,
deren Inhalt schwer bis gar nicht fassbar ist.

Aus der einstigen Resonanz scheint ein Zerfallen
in zwei unvereinbar scheinende Gegensätze geworden zu sein.

Die Themen sind individuell.
Die sind nur das Bühnenbild, auf dem sich das Drama abspielt.
Es kann um
Denken oder Fühlen,
Nähe oder Distanz,
Verantwortung oder Freiheit,
Autonomie oder Zusammenhalt,
usw…. gehen.

Am Ende will einer um jeden Preis die Trennung
und der andere um jeden Preis die Verbindung.

Manchmal wechselt das auch.
Aber es bleibt immer gegensätzlich.
Wenn der eine das eine will, will der andere das andere.
Es scheint wie verhext.

Die Aufgabe, die es hier zu geben scheint,
ist die der Hingabe an die Bedingungslosigkeit der Liebe.

Ich stimme dem nur bedingt zu.
Einfach aus der Erfahrung heraus, dass es nicht funktioniert.
Das ist so ungefähr das Letzte, was funktioniert.
(Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel).

Was dagegen gut funktioniert,
ist das genaue Gegenteil davon.
Das Finden der eigenen Identität.
Das Spüren und Akzeptieren der eigenen Grenzen.
Und das Annehmen des eigenen SO-Seins.

Es ist die Versöhnung mit dem eigenen Schatten
und das Finden der inneren Balance,
die die Chance auf eine Balance mit dem anderen ermöglicht.

Denn das war es, was es davor zum Scheitern gebracht hat.
Das Verharren und Bestehen auf einer Seite einer Polarität.
Das führt zwangsläufig zu einer Gegenbewegung, des anderen.

Innere Zerrissenheit führt zu einem äußeren Zerreißen.
Es ist immer innen, wie außen.

Die Aufgabe besteht darin,
einen Frieden mit dem zu machen, was wir am anderen so ablehnen.
Das hat nur nichts mit Bedingungslosigkeit zu tun.

Wir werden auch nicht anders, als wir waren.
Wir mögen immer noch eines lieber, als das andere.
Wir haben immer noch die selben Bedürfnisse und Wünsche.

Es geht NUR um die Anerkennung der prinzipiellen und grundlegenderen Gleichwertigkeit.

Alles ist gut für etwas und schlecht für etwas anderes.
Keiner ist falsch und keiner ist richtig.
Jeder ist anders und anders richtig und falsch zugleich.

Es führt nicht in die Bedingungslosigkeit,
sondern in eine Klarheit über die Bedingungen unsres Soseins.

Und dann ist es innen wie außen.
Ein Ja zu sich, mündet auch in einem Ja zum anderen
und vom anderen.

Nicht immer.
Aber ein JA zu uns selbst,
ist auch ohne dass es zu einer Lösung für die Beziehung kommt ein Gewinn.

Nur wenn es eine Chance gibt,
auch die Beziehung zu heilen,
dann der Weg in die Gleichwertigkeit.
Nicht die Gleichheit.
Und auch nicht die Anpassung.
Und schon gar nicht die Bedingungslosigkeit.

Dafür gehören aber zwei.
Einer alleine kann hier genau gar nichts bewirken.

NICHTS.

Ich kenne leider viele, die sich der Aufgabe verschrieben haben,
das alleine “schaffen zu wollen.”

Ich kenne keinen, dem es gelungen ist.
Eine harte Wahrheit.
Die aber auch sehr befreiend ist.

Denn ein echtes JA zu uns selbst,
wird zu einem automatisch empfundenen Nein
einem neuerlichen Ungleichgewicht gegenüber.
Und das wäre ein Versuch der alleinigen Rettung der Beziehung.

Wenn es so etwas wie eine echte Verbundenheit von Seelen gibt,
dann ist die alleinige Übernahmen der Verantwortung
das sicherste Mittel um den anderen fern zu halten.
Der eine tut alles und der andere nichts.
Und Bedingungslosigkeit erzeugt demnach ein SUPERego.

Jede Polarität erzeugt ihren Gegenpol.

Wenn beide zusammen wirken,
gehen sie in Resonanz.
Und die ist es, die etwas schaffen kann.

Polarität wirkt auf der Ebene der Realität.
Nähe und Distanz,
Autonomie und Zusammenhalt.
Nehmen und Geben.
usw.

Hier erzeugt ein Pol eine Ausgleichstendenz.

Resonanz wirkt auf der Ebene der “Geistes”.
Oder der Werte.
Hier erzeugt ein Ja ein Ja.
Und ein Nein, ein Nein.
Zumindest tendenziell.

Eine JA zu uns macht auch die Türe zum Ja
der anderen auf.
Und ob das nun dieser eine spezielle ist,
oder nicht wird gar nicht mehr so relevant.

Dann ist es wirklich gut.
Egal wie es denn nun kommt.

Und auf seltsame Weise hat sich der Sinn so einer Verbindung dann erfüllt, egal wie es ausgeht.
Etwas ist ganz geworden,
was es davor vielleicht nicht war.

Text: Sonja Ebner

art unbekannt

Wahre Nähe entsteht durch Hingabe

Wahre Nähe entsteht durch Hingabe

Hingabe berührt den anderen tief in seiner Seele.
Er fühlt sich angenommen. Er weiß, dass er so etwas Tiefes und Reines nie wieder in seinem Leben erfahren wird.
Hingabe verändert alles.
Erst durch Hingabe entsteht diese unvergleichliche Einheit zwischen zwei Menschen. Sie ist das Wunderbarste, was Liebende erleben können. Hingabe ist dein größter Schatz, den du einbringen kannst, die Essenz, aus der die Beziehung alle Kraft schöpfen kann.
Genaugenommen wird erst durch Hingabe aus zwei Menschen ein Paar. Gibt es keine Hingabe, bleiben sie sich fremd.

Wird die Hingabe aber immer wieder enttäuscht oder verletzt oder zurückgewiesen, verliert sich die Hingabefähigkeit mit der Zeit immer mehr.
Es wird dann einfach unglaublich schwer, erneut Vertrauen zu fassen und sich wieder einmal mit der gleichen Intensität zu verlieben und einem anderen Menschen hinzugeben. Man befürchtet erneut verletzt zu werden und möchte nicht noch einmal so tief fallen.
Man wird sich also nicht mehr wirklich einlassen sondern sich schützen, nur vermeintliche Nähe aufbauen, lieber so tun als ob, als sich bis in die tiefsten Tiefen mit einem Partner zu verbinden.
Tief im Inneren bleibt dann also immer etwas Trennendes.

Als Kind warst du zur völligen Hingabe fähig. Das war dein natürlicher Zustand. Aber wie oft wurde diese Hingabe verletzt oder enttäuscht? Und wie war es dann später, mit deiner ersten Liebe? Und den darauffolgenden Beziehungen, die jedes Mal doch wieder so schmerzhaft gescheitert sind?

Gab es immer und immer wieder Verletzungen in deinem Leben, so wird das wahre Gefühl der Hingabe schließlich immer mehr nachgelassen haben und irgendwann völlig verschwunden sein.
Ab einem gewissen Zeitpunkt haben wir das Gefühl, wie es ursprünglich einmal war, völlig vergessen. Wir werden die scheinbare Nähe bereits für wirkliche Tiefe halten und glauben, dieses So-tun-als-ob wäre bereits größte Hingabefähigkeit.
Dort befinden wir uns gerade, in einer Zeit, in der alle so tun als ob.
Nichts ist so in Vergessenheit geraten wie Hingabe. Sie wird sogar eher belächelt als angestrebt. Viele befürchten sogar, dass durch Hingabe die Selbstständigkeit verloren geht. Aber welche?!?!
Nie zuvor gab es so viele verwirrt umherirrende Menschen, auf der panischen Suche nur ja keinen Konsumkick zu verpassen. Selbstständigkeit fühlt sich bestimmt anders an!

Das Belächeln von Hingabe ist daher nur ein weiterer Hinweis wie leichtfertig mit Sexualität und Partnerschaft umgegangen wird. Sexualität gilt nur noch als lustvoller Zeitvertreib, als Spaßfaktor Nummer eins. Heute diesen Partner, morgen einen anderen. Was ich hier nicht bekomme, hole ich mir woanders. Hat sich das Neue verbraucht, stelle ich es zurück ins Regal.

Wir vergessen dabei aber nur, dass auch wir dauernd ins Regal zurückgestellt werden. Zwischendurch einmal wieder mitgenommen – jetzt aber leider schon etwas gebraucht und mit kleinen Macken – also wieder ab ins Regal.
Je öfter wir zurückgestellt werden, desto verbrauchter sind wir, desto leerer wird die Packung. Von dem, was wir wirklich zu geben hatten, haben bereits viele genascht. Also werden wir mehr Wert auf unsere Verpackung legen müssen.

Diese Mogelpackungen kennen wir alle. Außen bunt und vielversprechend, innen viel Luft und wenig Inhalt.
Was haben wir also gewonnen mit der modernen „angesagten“ Haltung? Sexuelle Erfahrung.
Und was nützt sie uns? Technische Handfertigkeiten sind erlernbar, die Personen locker austauschbar.
Fragen wir uns also lieber, was wir verloren haben.
Die Fähigkeit tiefe Liebe zu geben. Und die Fähigkeit tiefe Liebe anzunehmen. Aber vor allem die Fähigkeit zur Hingabe.

Gab es also mehrere Partner in unserem Leben oder, was heute besonders Mode geworden ist, gibt es sogar gleichzeitig mehrere Partner, wird sich unsere Hingabefähigkeit irgendwann, irgendwo, vollständig verloren haben. Sie könnte eigentlich an jeden gerichtet sein, ist also austauschbar geworden und besitzt zwangsläufig keine wirkliche Tiefe mehr.

Liebe ist aber nicht austauschbar. Ebenso wenig wie Hingabe. Vielleicht ist also das, was wir fühlen gar nicht Liebe. Sondern nur ein Bedürfnis. Dann muss nur unser Bedarf gestillt werden.
Dafür brauchen wir aber keinen Partner, sondern nur Lieferanten. Die Lieferanten dafür sind in der Tat austauschbar. Man braucht sich ihnen auch nicht hinzugeben, man muss nur so tun als ob. Was wir von unseren Lieferanten jedoch niemals bekommen werden sind tiefe Liebe und Nähe.
Das ist auch nicht die Aufgabe von Lieferanten.

Betrachte die Dinge einfach so, wie sie sind, auch wenn die Erinnerung weh tut. Deine Hingabe, die du ursprünglich besessen hattest, wurde irgendwann einmal so tief verletzt, dass du sie aus reinem Selbstschutz zurückgezogen hast. Und weil du diesen Schmerz nicht mehr spüren möchtest, vertauschst du Konsum mit Liebe und machst deinen Partner zu irgendeinem beliebigen Lieferanten. Auf diese Weise wirst du aber nie die ersehnte Nähe erfahren.

Hingabe ist nicht austauschbar.

Solange du jedoch weiterhin glaubst, du bräuchtest deinen Partner nur auszutauschen, dann wäre alles gut, denkst du immer noch, dass Konsum die Antwort auf deine Probleme ist. Immerhin gibt es da ja noch dieses übervolle Regal, das dir scheinbar immer wieder neue Ware anbietet. Irgendwann muss doch einmal einer dabei sein, hoffst du. Da ist aber keiner dabei.
Tiefe Liebe kannst du nur empfinden, wenn du dich wieder hingibst. Wenn du diese tiefe Emotionalität und Verletzlichkeit wieder zulässt. Tiefe Liebe schließt nämlich Austauschbarkeit aus.

Du musst dich also entscheiden, was du willst. Tiefe Liebe oder das volle Regal mit dem überreichen Angebot. Mit dem Regal liegst du jedenfalls voll im Trend.

Tiefe Liebe jedoch ist untrennbar mit Hingabe verbunden. Völliger Hingabe! Mein Leben lege ich in deine Hände, ausschließlich, unwiederbringlich. Ohne wenn und aber. Vollständig. Mit Haut und Haaren, mit jeder Zelle meines Körpers und meines Verstandes. Mehr noch, mit ganzer Seele. Hingabe ist eine Liebe, die nichts fordert, weil sie weiß, dass alles richtig ist.
Sie ist kein Handel, ich möchte nichts für meine Liebe bekommen. Ich muss das Risiko eingehen, dass von mir nichts mehr übrig bleiben wird, sollte die Sache tatsächlich schief gehen.

Aber eins ist sicher: Wenn wir uns zurückhalten, geht sie auf jeden Fall schief.

Und mach dir keine Illusionen, Hingabe macht verletzlich. Sehr verletzlich. Es verletzt, wenn der andere dich abweist, es schmerzt, wenn du ihm weh tust, es tut dir sogar weh, wenn er sich selbst verletzt und es stürzt dich ins Bodenlose, wenn er von dir weggeht.
Warum solltest du es dann trotzdem wagen?
Weil du nur durch deine Hingabe, auch seine Hingabe bekommen kannst. Und nur wenn zwei Menschen sich gegenseitig hingeben, sie einen Bund fürs Leben schließen.

Ohne Hingabe kein Vertrauen,
ohne Vertrauen keine Nähe,
ohne Nähe keine Verbundenheit,
ohne Verbundenheit keine Liebe.

Pierre Franckh

art unbekannt

Quelle: Wahre Nähe ensteht durch Hingabe